Hausarztpraxen in Not?! 45 Euro Einnahmen bei 50 Euro Praxiskosten

Praxisstreik, Protestaktionen, Demonstrationen: In der Tat, viele Praxen sind durch Honorarverluste, Überlastung, Personalmangel, stark gestiegenen Kosten für Personal und Praxisbetrieb und auch durch fehlende Nachfolge bedroht. Die Gründe hierfür sind sicher viel komplizierter als ein einzelner „unfähiger“ Minister oder „geizige“ Krankenkassen. Aber: Bei Honoraren, Privat- und IGEL-Umsätzen unterscheiden sich Facharztpraxen und Hausarztpraxen so erheblich, so dass viele „querbeet“ erhobenen Statistiken und Zahlen viel positiver aussehen als die hausärztliche Realität. Seit langem bemühen sich daher die hausärztlichen Berufsverbände um Auswege aus diesem Dilemma. Das erzielte Ergebnis nennt sich „Hausarztzentrierte Versorgung- HZV“ („Hausarzt- Verträge“). 

Mit Ihrer Unterschrift stimmen Sie zu, im Normalfall nur die gewählte Hausarztpraxis aufzusuchen und  sich vor Kontakten mit Gebietsärzten zumindest eine Überweisung geholt zu haben.

Wenn Sie sich unsere Praxis als Hausarzt-Praxis gewählt haben, aktiv unsere Existenz unterstützen wollen und möchten, dass wir und alle anderen hausärztlichen Kollegen und Kolleginnen in einigen Jahren auch noch engagierte NachfolgerInnen für Ihre Versorgung finden, treten Sie der hausarztzentrierten Versorgung bei. Dies hilft uns mehr als irgendwelche Protest- Emails an Politik und Kassen.
Die HZV Vorteile sind auch wissenschaftlich gut geprüft – unter anderem wurde eine geringere Sterblichkeit bei Menschen nachgewiesen, die in Hausarztverträgen eingeschrieben sind.

Wir wollen uns Zeit für Sie nehmen – können das aber nicht, wenn Sie nicht am Hausarztvertrag Ihrer Kasse teilnehmen:  Von dem was die Krankenkassen in Deutschland bezahlen, bekommen wir in Hamburg aus vielen historischen Gründen nur 70 % bezahlt. Bei uns sind das seit 25 Jahren 45 Euro Einnahmen im Schnitt für jeden Patienten, der nicht im Hausarztvertrag ist. Unser Vorgänger hatte 1998 – als wir die Praxis übernahmen – noch 100 DM !

Mittlerweile sind unsere Kosten pro Behandlungsfall auf 50 Euro gestiegen! 

Das heißt, wir verlieren neben unserer Zeit auch noch Geld bei der Behandlung von Patienten, die nicht am Hausarztvertrag teilnehmen. Das werden wir nicht mehr länger hinnehmen!

Unsere Praxis besteht in den letzten Jahren nur deshalb überhaupt noch, weil schon zwei Drittel unserer Patienten an den Verträgen teilnehmen, in denen wir ungefähr 85 Euro/ Quartal bekommen. Ohne dieses Geld hätten wir vor 7 Jahren die Praxis geschlossen. 

Und wir wollen auch weiter in der Lage sein, unseren hervorragenden Mitarbeitern faire Gehälter und Inflationsausgleich zu bezahlen. 

Dazu müssen ALLE unsere Patienten aber an den Hausarztverträgen teilnehmen. 

Den Patienten, die sich einer Teilnahme aus uns nicht nachvollziehbaren Gründen verweigern, kündigen wir hiermit den Service:  

Für eine nicht kostendeckende Bezahlung können Sie außer Krankschreibungen und Überweisungen dann nichts erwarten, Ausnahme echte Notfälle. 

So wollen wir nicht arbeiten, aber gute Arbeit können wir nur für Patientinnen und Patienten leisten, die uns darin durch Teilnahme am Hausarztvertrag ihrer Krankenkasse unterstützen.

Konkret: Kommen Sie in die Praxis und schreiben Sie sich ein:

Privatpatienten haben selten Anspruch auf hausarztzentrierte Versorgung, einige wenige Kassen haben das, bitte fragen Sie dort nach.

Die großen gesetzlichen Kassen (Techniker, DAK, Barmer, KKH, HEK, hkk) haben ebenso wie die AOK Hausarztverträge: Allerdings hat nur die AOK-Hamburg-Rheinland einen Vertrag den wir in Hamburg umsetzen können. Eine AOK Nordwest zum Beispiel hat diesen Vertrag für Schleswig-Holstein, das nützt uns aber nichts.

Alle Krankenkassen sind seit über 10 Jahren gesetzlich verpflichtet (§ 73b SGB V), Ihnen einen solchen Vertrag anzubieten. Leider machen einzelne Krankenkassen noch nicht mit, ohne dass sie für diesen Rechtsbruch mit Geldstrafen belegt werden.

Viele Betriebskrankenkassen (BKK) nehmen teil, aber leider nicht alle. Auch einige Innungskrankenkassen wie zum Beispiel die IKK classic machen mit, aber auch nicht alle anderen IKK. 

Fragen Sie uns oder Ihre Krankenkasse.

Falls Ihre Krankenkassen die gesetzlich vorgeschriebene Teilnahme verweigert – wechseln Sie die Krankenkasse!

Sobald Sie bei der neuen Krankenkasse Ihrer Wahl die Mitgliedschaft beantragen, kümmert diese sich um die Kündigung Ihrer alten Krankenkasse. 

Nach 2 Monaten (zum Monatsende) sind Sie dann Mitglied der neuen Krankenkasse und schreiben sich bitte bei uns in den Hausarztvertrag ein.

Falls Sie sehr an Ihrer alten Kasse hängen bedenken Sie bitte: eine Krankenkasse, die seit 10 Jahren ein Gesetz nicht umsetzt, was uns Hausärzten das Überleben sichern soll, hat Ihre Beiträge schlicht nicht verdient! Wählen Sie bitte eine Krankenkasse, die Hausarztverträge unterstützt. Auf der gemeinnützigen Seite www.finanztip.de finden Sie eventuell auch eine, die günstiger als Ihre bisherige Kasse ist.

Helfen Sie uns, Ihnen zu helfen und schreiben Sie sich ein!